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Wie reisen wir im Jahr 2045 durch die Schweiz?

Mit superschnellen Zügen, breiteren Autobahnen oder vielleicht ganz neuen Tunneln?
Eine aktuelle Studie der ETH Zürich will darauf Antworten geben. Sie heisst «Verkehr 45» und schlägt vor, welche grossen Bahn- und Strassenprojekte in den nächsten 20 Jahren am wichtigsten sind. Doch die Vorschläge bringen viele Kantone auf die Palme.

Was ist die ETH überhaupt?

Die ETH Zürich ist eine der bekanntesten Universitäten Europas. Sie gehört sogar zu den besten Technikhochschulen der Welt.
ETH steht für Eidgenössische Technische Hochschule. Hier forschen kluge Köpfe an Themen wie Klimawandel, Energie, künstliche Intelligenz und eben auch Verkehr.

Wenn der Bund wissen will, wo neue Strassen oder Bahnlinien sinnvoll wären, beauftragt er oft die ETH mit Studien. Die Forschenden rechnen dann aus, wo Staus entstehen, wie viele Menschen künftig pendeln werden oder welche Projekte das Land am meisten entlasten. Das Ergebnis heisst dann Gutachten oder Studie, eine Art wissenschaftlicher Vorschlag für die Politik.


Warum ist das so wichtig?

Weil der Verkehr in der Schweiz ständig zunimmt. Jeden Tag sind Millionen Menschen mit Auto, Zug oder Bus unterwegs.
Doch viele Strecken sind überlastet: Züge sind voll, Autobahnen verstopft.
Die ETH sagt deshalb: Wir können nicht alles gleichzeitig ausbauen, wir müssen Prioritäten setzen.

Und genau da wird’s spannend: Denn jedes Projekt kostet Milliarden.
Wer bekommt also zuerst Geld: Luzern, Basel, Bern oder St. Gallen?


Luzern jubelt über den neuen Tunnelbahnhof

Ganz vorne auf der ETH-Liste steht der Durchgangsbahnhof Luzern. Heute enden alle Züge dort – sie müssen also umkehren. Das kostet Zeit und Platz. Die ETH schlägt deshalb einen unterirdischen Tunnelbahnhof vor, durch den die Züge einfach durchfahren können.


St. Gallen: Dritte Röhre für mehr Sicherheit

Auch im Osten des Landes gibt es Rückenwind: Der Rosenbergtunnel in St. Gallen bekommt Priorität.
Die ETH meint, es brauche eine dritte Röhre, um die beiden alten Tunnel sanieren zu können, sonst drohe Stau und Chaos.


Winterthur: Ärger über gestrichene Autobahn

Nicht alle freuen sich. In Winterthur herrscht Enttäuschung, weil der geplante Ausbau der A1 bei Zürich Nord gestrichen wurde.
Die ETH nennt das Projekt zu teuer und riskant. Stattdessen soll lieber der Bahnhof Stadelhofen in Zürich ein viertes Gleis bekommen, damit mehr Züge fahren können. Dafür erhält die Oberlandautobahn (A53) bei Uster Priorität, weil sie wichtig für die Verkehrssicherheit ist.


Bern: Tunnel auf der Warteliste

In Bern sind die Gefühle gemischt. Der geplante Bypass Bern Ost, der die Autobahn A6 unter die Erde verlegen würde, wurde zurückgestuft. Verkehrsdirektor Matthias Aebischer findet das schade: „Das wäre eine Reparatur für die Stadt.“
Dafür soll der Grauholz-Abschnitt nördlich von Bern auf acht Spuren verbreitert werden – allerdings erst nach 2045.


Basel: Enttäuschung über Tiefbahnhof

In Basel herrscht Frust. Der geplante Basler Tiefbahnhof, ein Mega-Projekt unter dem Rhein, wurde nach hinten verschoben.
Dabei wäre er wichtig für die S-Bahn-Verbindungen und für den Güterverkehr zwischen Schweiz, Deutschland und Frankreich.
Regierungsrätin Esther Keller warnt: „Wenn wir jetzt nicht handeln, bekommen wir später grosse Probleme.“

Basel sieht sich als Wirtschaftsmotor der Schweiz – und will das Projekt trotzdem weiter vorantreiben.


Wie geht’s jetzt weiter?

Die Studie ist keine Entscheidung, sondern eine Empfehlung.
Jetzt ist die Politik am Zug: Das Bundesparlament in Bern muss festlegen, welche Projekte tatsächlich umgesetzt werden.
Verkehrsminister Albert Rösti nennt das Gutachten eine „sehr gute Vorlage“. Aber: Politik ist immer auch Verhandlungssache. Jeder Kanton will ein Stück vom Kuchen.


Kurz erklärt

ETH: Eidgenössische Technische Hochschule Zürich – eine Universität, an der geforscht und geforscht wird.
Gutachten: Eine wissenschaftliche Empfehlung an die Politik.
Priorität: Je höher die Priorität, desto dringender das Projekt.
Bundesparlament: Das Schweizer Parlament, das über Gesetze und Ausgaben entscheidet.
Tunnelröhre: Ein eigener Fahrkanal in einem Tunnel, z. B. für Autos oder Züge.


Fazit

Die Schweiz steht vor grossen Entscheidungen: Wo soll zuerst gebaut werden, damit der Verkehr auch in Zukunft funktioniert?
Die ETH hat Zahlen, Fakten und Vorschläge geliefert – jetzt liegt der Ball bei der Politik.
Egal ob du mit dem Zug zur Schule fährst oder mit dem Auto verreist: Diese Projekte bestimmen, wie du dich in Zukunft durch die Schweiz bewegst.

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