Ein Pferd fährt mit dem Aufzug, läuft durch einen Krankenhausflur und bleibt vor einer Zimmertür stehen. Was ungewöhnlich klingt, gehört für Peyo seit Jahren zum Alltag. Der Hengst besucht gemeinsam mit seinem Besitzer Hassen Bouchakour schwer kranke Menschen in französischen Krankenhäusern. Dabei beschäftigt sein Verhalten nicht nur Patientinnen und Patienten, sondern auch Fachleute.
Wenn plötzlich Hufe im Flur zu hören sind
In einem Krankenhaus sind normalerweise rollende Betten, Schritte und medizinische Geräte zu hören. Doch wenn Peyo zu Besuch kommt, mischt sich ein anderes Geräusch darunter: das Klappern von Pferdehufen.
Der Hengst darf sich in bestimmten Krankenhausbereichen bewegen und sogar mit dem Aufzug fahren. Das geschieht nicht spontan. Bevor Peyo in Krankenhäuser gehen konnte, wurde er mehrere Jahre darauf vorbereitet. Auch Regeln zu Sicherheit und Hygiene mussten entwickelt werden. Die Besuche werden von medizinischen und tiermedizinischen Fachpersonen begleitet.
Peyo besucht vor allem Menschen in der Palliativmedizin. Damit ist die Betreuung von schwer kranken Menschen gemeint, bei denen nicht mehr die Heilung im Mittelpunkt steht. Ärztinnen, Ärzte und Pflegepersonen versuchen dann besonders, Schmerzen und andere Beschwerden zu lindern und möglichst viel Lebensqualität zu erhalten.
Vom Showpferd zum Krankenhausbesucher
Peyo war ursprünglich ein Showpferd. Sein Besitzer, der französische Pferdetrainer Hassen Bouchakour, trat mit ihm bei Veranstaltungen auf. Bouchakour berichtete später, dass ihm dabei ein ungewöhnliches Verhalten auffiel: Nach Auftritten suchte Peyo immer wieder die Nähe bestimmter Menschen, darunter kranke oder körperlich geschwächte Personen.
Aus dieser Beobachtung entstand schliesslich ein besonderes Projekt. Bouchakour gründete den Verein Les Sabots du Cœur, auf Deutsch etwa «Die Hufe des Herzens». Seit 2016 besuchen Peyo und Bouchakour Krankenhäuser in Frankreich und teilweise auch an anderen Orten in Europa.
Peyo ist inzwischen über 20 Jahre alt. Beim genauen Geburtsjahr widersprechen sich öffentlich zugängliche Quellen allerdings: Der Verein nennt 2005, andere Quellen 2003. Sicher ist deshalb vor allem, dass Peyo heute ein älteres Pferd ist.
Sucht Peyo kranke Menschen gezielt aus?
Besonders erstaunlich ist eine Beobachtung seines Besitzers und des Vereins: Peyo entscheidet offenbar häufig selbst, bei welchen Patientinnen und Patienten er stehen bleibt. Die Organisation berichtet sogar, dass das Pferd Menschen mit Krebs oder Personen nahe am Lebensende erkennen könne.
Solche Aussagen klingen spektakulär – müssen aber vorsichtig eingeordnet werden. Dass Peyo tatsächlich Krankheiten wie Krebs zuverlässig «erkennen» kann, ist wissenschaftlich bisher nicht so eindeutig belegt, dass daraus eine medizinische Diagnose gemacht werden könnte. Peyo ersetzt deshalb weder Ärztinnen und Ärzte noch Untersuchungen.
Untersucht und beobachtet wird dagegen, welche Wirkung seine Anwesenheit auf schwer kranke Menschen haben kann. Der Verein arbeitet dabei nach eigenen Angaben mit zahlreichen Fachpersonen aus Medizin und Tiermedizin zusammen. Unter anderem wird untersucht, ob sich bei Patientinnen und Patienten Angst, Unruhe, Schmerzen oder der Bedarf an bestimmten Medikamenten verändern.
Wie kommt ein Pferd überhaupt ins Krankenhaus?
Ein Pferd wiegt mehrere hundert Kilogramm. In einem Krankenhaus mit engen Zimmern, glatten Böden und empfindlichen Geräten braucht es deshalb besondere Vorsicht.
Peyo wurde an ungewöhnliche Situationen gewöhnt. Aufzüge sind für ihn beispielsweise kein völliges Neuland. Laut seinem Verein ist er durch frühere Reisen sogar Flugzeuge gewohnt. Vor einem Besuch wird ausserdem darauf geachtet, dass er sich erleichtert. Trotzdem kann Peyo jederzeit zeigen, dass er einen Bereich verlassen möchte. Dann soll ihm dies ermöglicht werden.
Gerade deshalb warnt der Verein davor, das Projekt einfach mit einem anderen Pferd nachzumachen. Ein Krankenhaus ist keine natürliche Umgebung für Pferde, und ohne Vorbereitung können sowohl Menschen als auch Tiere gefährdet werden.
Was Tiere bewirken können
Peyo ist kein Arzt und kein Medikament. Seine Aufgabe liegt auf einer anderen Ebene: Er schafft Begegnungen. Gerade in einer Umgebung, die stark von Krankheit und medizinischen Abläufen geprägt ist, kann ein Tier Aufmerksamkeit, Nähe und Abwechslung bringen.
Auch andere Tiere werden bei der Begleitung von Menschen eingesetzt. Solche Angebote werden häufig als tiergestützte Interventionen bezeichnet. Dabei sollen Begegnungen mit Tieren beispielsweise Wohlbefinden, Kommunikation oder Ruhe fördern. Welche Wirkung entsteht, hängt jedoch vom Menschen, vom Tier und von der jeweiligen Situation ab.
Peyo bleibt dabei ein besonders ungewöhnlicher Fall. Ein Pferd mitten im Krankenhaus stellt hohe Anforderungen an Hygiene, Sicherheit und Tierwohl. Gleichzeitig zeigen Berichte aus Krankenhäusern, dass seine Besuche für manche Patientinnen und Patienten besondere Momente schaffen. 2020 berichteten etwa die Hospices Civils de Lyon offiziell über Peyos Besuch bei Kindern in einer Klinik.
Ein ungewöhnlicher Platz für ein Pferd
Peyos Geschichte bewegt sich zwischen Medizin, Forschung und der besonderen Beziehung zwischen Mensch und Tier. Einige Behauptungen über seine Fähigkeiten sind noch nicht ausreichend wissenschaftlich geklärt und sollten deshalb nicht als bewiesene Tatsachen verstanden werden. Dass ein Pferd in französischen Krankenhäusern tatsächlich schwer kranke Menschen begleitet, ist dagegen gut dokumentiert.
Vielleicht liegt gerade darin das Spannende an Peyo: Seine Geschichte wirft eine Frage auf, auf die es keine einfache Antwort gibt. Wie viel können Tiere an Menschen wahrnehmen – und was geschieht, wenn Medizin und die Nähe eines Tieres an einem Ort zusammentreffen, an dem beides eine ganz besondere Bedeutung bekommt?
Fragen:
1. Was bedeutet der Begriff «Palliativmedizin»? Erkläre ihn in eigenen Worten.
- Stell dir vor, eine Schweizer Klinik überlegt, ebenfalls ein Pferd einzusetzen. Welche Fragen müsste die Klinik deiner Meinung nach zuerst klären?
- Welche besonderen Herausforderungen entstehen, wenn ein Pferd ein Krankenhaus betritt? Nenne mindestens drei.
- Welche anderen Erklärungen könnte es dafür geben, dass Peyo bei bestimmten Menschen länger stehen bleibt?
- Was könnte passieren, wenn ein ungeübtes Pferd in ein Krankenhaus gebracht würde?
Aufgabe:
Kreativaufgabe: Peyo als Comic
Gestaltet einen Comic mit 6 Bildern über einen typischen Krankenhausbesuch von Peyo.
Der Comic soll zeigen:
- Peyo kommt mit Hassen Bouchakour im Krankenhaus an.
- Peyo wird auf seinen Einsatz vorbereitet.
- Er fährt mit dem Aufzug oder läuft durch einen Krankenhausflur.
- Peyo begegnet einer Patientin oder einem Patienten.
- Eine Pflegefachperson erklärt, warum solche Besuche besonders sind.
- Das letzte Bild zeigt eine offene Frage, die Peyos Geschichte aufwirft.
Besondere Regel: In jedem Bild muss mindestens eine echte Information aus dem Artikel vorkommen. Die Handlung darf kreativ gestaltet werden, aber es dürfen keine erfundenen Fähigkeiten Peyos als Tatsachen dargestellt werden.
