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Wikie und Keijo: Zwei Orcas warten auf ihre Zukunft

Seit mehr als einem Jahr leben die Orcas Wikie und Keijo in einem geschlossenen Meerespark in Südfrankreich. Frankreich möchte die beiden Tiere in den Loro Parque auf Teneriffa bringen. Doch dagegen gibt es Widerstand – und der Fall wirft eine grössere Frage auf: Wo sollen Orcas leben, die nicht mehr ausgewildert werden können?

Ein geschlossener Park – zwei Orcas bleiben zurück

Die Tribünen sind leer, die Besucherinnen und Besucher verschwunden. Trotzdem schwimmen im ehemaligen Marineland Antibes an der französischen Mittelmeerküste noch zwei seiner bekanntesten Bewohner: Wikie und ihr Sohn Keijo.

Wikie wurde 2001 im Marineland geboren, Keijo kam 2013 dort zur Welt. Beide kennen deshalb kein Leben in freier Wildbahn. Als der Park im Januar 2025 für das Publikum schloss, konnten sie nicht einfach ins Meer entlassen werden. Seitdem werden sie weiterhin von Mitarbeitenden versorgt.

Doch dauerhaft sollen die Orcas nicht dort bleiben. Frankreich hatte bereits 2021 ein Gesetz beschlossen, das die Haltung von Walen und Delfinen zu Unterhaltungszwecken stark einschränkt. Ende 2026 treten wichtige Teile davon in Kraft. Für Wikie und Keijo muss deshalb eine neue Lösung gefunden werden.

Ein Umzug von Frankreich nach Teneriffa

Im Mai 2026 teilte die französische Regierung mit, dass sie einen Umzug der beiden Orcas in den Loro Parque auf der spanischen Insel Teneriffa befürwortet. Dort gibt es bereits eine Anlage für Orcas.

Der Loro Parque erklärte sich bereit, Wikie und Keijo aufzunehmen. Der Tierpark verweist auf seine langjährige Erfahrung mit Orcas sowie auf Tierärztinnen, Tierärzte und speziell ausgebildete Pflegende. Aus Sicht des Parks wäre ein Umzug deshalb eine Möglichkeit, den beiden Tieren schnell ein dauerhaftes Zuhause zu geben.

Doch der Transport ist bis heute nicht abgeschlossen. Anfang September 2026 war weiterhin kein öffentlich bestätigter Termin für den Umzug bekannt. Zudem gibt es Streit darüber, welche Genehmigungen notwendig sind und welche Behörden einem Transport zustimmen müssen.

Warum der Umzug umstritten ist

Tierschutzorganisationen sehen den geplanten Wechsel nach Teneriffa kritisch. Denn auch im Loro Parque würden Wikie und Keijo weiterhin in einer künstlichen Anlage leben. Dort werden Orcas zudem bei Vorführungen vor Publikum gezeigt.

Kritikerinnen und Kritiker fragen deshalb, ob es sinnvoll ist, Tiere aus einem Land, das solche Formen der Haltung einschränkt, in einen Park eines anderen Landes zu bringen.

Der Loro Parque argumentiert dagegen, dass nicht eine grundsätzlich perfekte Lösung gesucht werden könne, während die Tiere weiterhin im geschlossenen Marineland leben. Entscheidend sei, dass Wikie und Keijo möglichst bald zuverlässig und fachgerecht versorgt werden.

Damit stehen sich zwei unterschiedliche Vorstellungen gegenüber: Die eine Seite setzt auf eine bereits vorhandene Anlage mit erfahrenem Personal. Die andere möchte grundsätzlich neue Wege für die Haltung von Orcas finden.

Warum nicht einfach zurück ins Meer?

Orcas sind keine Einzelgänger. In der Natur leben viele von ihnen in engen Familienverbänden und lernen wichtige Fähigkeiten von anderen Gruppenmitgliedern. Dazu gehört beispielsweise, wie und wo Nahrung gefunden wird.

Wikie und Keijo wurden jedoch in menschlicher Obhut geboren. Eine einfache Freilassung ins offene Meer gilt deshalb nicht als geeignete Lösung. Die Tiere sind daran gewöhnt, von Menschen versorgt zu werden.

Genau deshalb wird seit Jahren über sogenannte Meeresrefugien diskutiert. Dabei handelt es sich um grosse, abgegrenzte Bereiche an natürlichen Küsten. Die Tiere würden dort weiterhin betreut und gefüttert, hätten aber mehr Kontakt zu einer natürlichen Meeresumgebung.

Eine europäische Idee entsteht

Auch in Europa gibt es inzwischen Pläne für ein solches Refugium. Hinter dem geplanten «European Seaside Sanctuary» steht jedoch nicht die Europäische Union selbst, sondern eine private Initiative mit verschiedenen Partnern. Wikie und Keijo spielen in der Diskussion über das Projekt eine wichtige Rolle.

Bis dort tatsächlich Orcas einziehen könnten, wäre allerdings noch viel Arbeit nötig. Ein geeigneter Standort müsste gefunden, die Finanzierung gesichert und zahlreiche Genehmigungen müssten eingeholt werden. Ein solches Refugium muss ausserdem Schutz vor Stürmen bieten, eine passende Wassertiefe besitzen und eine sichere tierärztliche Versorgung ermöglichen.

Deshalb ist ein europäisches Refugium momentan noch keine fertige Alternative für Wikie und Keijo.

Zwei Orcas werden zum Beispiel für eine grössere Frage

Der Fall zeigt ein Problem, das künftig auch andere Länder beschäftigen könnte. Verbieten oder beschränken Staaten die Haltung von Walen und Delfinen in Freizeitparks, verschwinden die bereits dort lebenden Tiere nicht. Für sie müssen neue Plätze gefunden werden.

Bei Wikie und Keijo treffen deshalb Tierschutz, Gesetze und praktische Möglichkeiten unmittelbar aufeinander. Ein bestehender Tierpark kann die Tiere vergleichsweise schnell aufnehmen. Ein Meeresrefugium könnte ihnen dagegen eine natürlichere Umgebung bieten, muss aber zunächst überhaupt gebaut werden.

Wie es mit Wikie und Keijo weitergeht, ist Anfang September 2026 noch nicht endgültig geklärt. Ihr Schicksal zeigt jedoch schon jetzt, dass das Ende eines Orca-Parks nicht automatisch das Ende der Geschichte bedeutet. Manchmal beginnt die schwierigste Frage erst dann: Was kommt danach?

Fragen:

  • Sollte das Wohl eines einzelnen Tieres wichtiger sein als die Frage, wie Tiere grundsätzlich gehalten werden sollten? Warum?
  • Was bedeutet überhaupt ein «gutes Leben» für einen Orca, der sein ganzes Leben bei Menschen verbracht hat?
  • Sollte ein Land die Haltung von Orcas verbieten dürfen, wenn noch keine neuen Plätze für die bereits dort lebenden Tiere vorhanden sind?
  • Wer sollte entscheiden, was mit Wikie und Keijo passiert: Fachleute, Tierschutzorganisationen, Tierparks, Politikerinnen und Politiker oder die Bevölkerung?
  • Wäre es besser, Wikie und Keijo möglichst schnell in den Loro Parque zu bringen oder länger auf eine andere Lösung zu warten? Warum?
  • Wie viel Risiko darf eingegangen werden, wenn eine neue Haltungsform wie ein Meeresrefugium ausprobiert wird?
  • Ist eine Freilassung immer die tierfreundlichste Lösung? Warum könnte die Antwort komplizierter sein?

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